Archiv der Kategorie 'Zuschriften'

Bewerbung als Pressesprecher III

Ich möchte Teil einer Jugendbewegung sein. Ich bin aus echtem Buchenholz geschnitzt und bin noch in der Lage rohe Biokartoffeln mit der Hand zu zerquetschen. Wie mein hochgeliebter Buschkowsky packe ich also noch selbst an. Ich unterstütze Heinz Buschkowskys These ausdrücklich, dass nur den Familien Geld zusteht, deren Kinder auch zur Schule gehen. Frei nach dem Motto: »Kommt das Kind nicht in die Schule, gibt’s kein Kindergeld«. Die Menschen, die sich im Schlaraffenland Deutschland (, wo noch Milch und Honig aus den Wasserwerfern fließt) den Luxusort Neukölln als Migrationsziel aussuchten haben nun einmal »Familienriten, Geschlechterrollen und Gewalt als Herrschafts- und Kommunikationsformen« die es gilt durch eine kartoffelquetschende Hand zu zähmen. Außerdem sollten sie sich darüber im Klaren sein, dass »staatliche Leistungen auch mit der Erwartung einer Gegenleistung verbunden sind«. Damit sie hier auch wirklich ankommen, sollten sie also endlich unseren schönen Bezirk verlassen, in einem Prozess, bei dem sich die Spreu vom Weizen trennt. Um das Problem in Neukölln durch Wegzug zu katalysieren sollte sich die Buschkowsky-Jugend dafür einsetzen, dass Verdrängung endlich durch eine effektive Mietenpolitik stattfindet. Deshalb sollte auf Neuköllner Seite am Tempelhofer Feld ein Villenviertel entstehen. Das wäre für den Haushalt des Bezirks auch sehr günstig, kann man den bestehenden Zaun doch durch Starkstrom vor dem Gesindel schützen und müsste nicht eingerissen werden. Denn Mauern schützen nicht nur vor dem Links- und Rechtsfaschismus, sondern auch vor sozialer Realität. Das Problem der ungehinderten Zuwanderung aus Osteuropa, durch die Sinti und Roma aus Bulgarien und Rumänien wird die Verdrängung notwendiger denn je machen.

Zu meiner Person, ich kann Biokartoffeln noch selbst in Brotdosen packen, würde ein Buschkowsky-Brillenmodell tragen (, kann es mir aber nicht leisten), sehe seriös und vertrauenswürdig aus, esse gern Eisbein – bin also integriert – und bin Mitglied in einer Volkspartei der linken Mitte (SPD). Aufgrund meiner politischen Vita, sehe ich mich als einzig wahren Kandidaten für die Buşkowsky-Jugend, da ich das Prinzip der Geschlossenheit eingeatmet habe und mit Sicherheit schon einmal auf einem Stuhl saß, der bereits dem Gesäß meines Idols diente. Ich würde mich daher freuen in die nähere Auswahl dieser glorreichen Organisation zu kommen.

Mit freundlichen Grüßen
Arnold M.

Bewerbung als Pressesprecher II

Liebe Buşhkowskyjugend,

ich habe leider mein Geld gleich am Anfang des Monats versoffen und in Zigaretten investiert. Ich bin auch irgendwie viel zu faul, Euch extra ein neues Gedicht zu schreiben. Neulich hat unser Bürgermeister ja von den Stasimethoden der Buşkow­sky-Jugend gesprochen. Da ich mich mit Stasi und Stalinismus gut auskenne, dachte ich mir, dass ich mal einen Klassiker von mir auf die aktuelle politische Situation umschreibe. … und siehe da, es passt wie das Ei in den Becher. Ick will mich hiermit auf Euren Sprecherposten bewerben. Ich habe jahrelange Erfahrung in der Produktion von Gebrauchslyrik. Also nehmt mich, ich kann es.

Euer Johannes

Danksagung an einen Bezirksbürgermeister

Neigt euch vor ihm in ewigem Gedenken!
Sag auch du Buschkowsky den verdienten Dank.
Er kam, ein neues Leben dir zu schenken,
Als schon dein Bezirk in Chaos versank.

Er kam, aus deiner Not dich zu erretten,
Wo immer neues wächst, gedenke sein.
Hochhäuser ragen über Trümmerstätten
Und ihr Willkommen lädt uns herzlich ein.

Es wird ganz Deutschland einst Buschkowsky danken.
In jeder Stadt steht Kirsten Heisigs Monument.
Dort wird er sein, wo sich die Reben ranken,
Und selbst in Kreuzberg erkennt ihn ein jeder Student.

Dort wird er sein, wo sich von ihm die Fluten
Der Spree erzählen und des Berliner Doms.
Dort wird er sein in allem Schönen, Guten,
In Nordneukölln, an an des Kanales Strom,

Allüberall, wo wir zu denken lernen
Und wo man einen Lehrsatz streng beweist.
Vergleichen wir die Genien mit den Sternen,
So glänzt als hellster der, der Buschkowsky heißt …

Wir sind ihm begegnet im Abendblauen,
Und sind ihm begegnet im Morgenlicht.
In seinen Werken reicht er uns die Hand.
Band reiht an Band sich in den Bezirksbibliotheken,
Und niederblickt sein Bildnis von der Wand.

Auch in Rixdorf ist er zugegen.
Mit Sarrazin und Heisig steht er Stund um Stund,
In Gedanken überprüft er die Senatoren,
Und über einen dunklen Wiesengrund
Blickt in die Weite er, wie traumverloren.

Er geht durch die Betriebe schaut auf die Uhr,
Und auf der Sonnenallee tritt er zu anatolischen Bauern,
Seine Gesichtsfurche – eine Leidensspur.
Und Buschkowsky sagt: „Es wird nicht lang mehr dauern!“

Er spricht bei Bier und Wurstsalat.
Wie brüderlich und schlicht sagt er: „Genossen!“
Ein jedes Wort, das Buschkowsky spricht, ist Tat,
Aus einem Stück sind Wort und Tat gegossen.

Im Körnerpark sucht er auf die Galerie,
Und alle Bilder sich vor ihm verneigen.
Die Farbentöne leuchten schön wie nie
Und tanzen einen bunten Lebensreigen.

Mit Arnold Mengelkoch sitzt er auf der Bank,
Kirsten Heisig setzt sich nieder zu den beiden.
Und eine Ziehharmonika singt Dank,
Da lächeln sie, selbst dankbar und bescheiden.

Die Jugend zeigt euch ihre Meisterschaft
In Sport und Spiel – und ihr verteilt die Preise.
Dann summt ihr mit die Worte „lernt und schafft“,
Wenn sie zum Abschied singt die neue Weise.

Nun lebt er schon und wandert fort in allen
Und seinen Namen trägt der Frühlingswind,
Und in dem Bergsturz ist sein Widerhallen
Und Buschkowskys Namen buchstabiert das Kind.

Wenn sich vor Freude rot die Wangen färben,
Dankt man dir, Buschkowsky, und sagt nichts als: „Du!“
Ein Armer flüstert „Buschkowsky“ noch im Sterben
Und Buschkowskys Hand drückt ihm die Augen zu.

Dort wirst du sitzen mit uns in der Runde
Und teilst mit uns die Speise und den Trank.
Wir heben, grüßend dich, das Glas zum Munde
Und singen dir und sagen Buschkowsky Dank.

Buschkowsky: so heißt ein jedes Sehnen.
Buschkowsky: so heißt des Bezirkes Morgenrot,
Buschkowsky beschwören aller Mütter Tränen:
„Buschkowsky! O ende du die Multikulti-Not.“

Wer je wird angeklagt der klaren Worte wegen,
Aufrecht stehst du in dem mit vor Gericht.
Die Richter aber ihre Hände legen
Vors Auge, denn sie blendet soviel Licht.

Du trittst herein, welch eine warme Helle
Strömt von dir aus und was für eine Kraft
Und der Gefangene singt in seiner Zelle,
Er fühlt als Riese sich in seiner Haft …

Im Wasserfall und in dem Blätterrauschen
Ertönt dein Name, und es zieht dein Schritt
Ganz still dahin. Wir bleiben stehn und lauschen
Und folgen ihm und gehen leise mit.

Du Freund der Neuköllner, du, ihr allerbester,
Was je war rühmenswert, blüht dir zum Ruhm.
Es spielt, den Weltraum füllend, ein Orchester
Das hohe Lied von Buschkowsky Heldentum …

Gedenke, Neukölln, deines Freunds, des besten.
O danke Buschkowsky, keiner war wie er
So tief verwandt dir Rixdorf ist und Rudow
In ihm vereint. Er überquert das Meer,

Und kein Höhe setzt ihm eine Schranke,
Kein Feind ist stark genug, zu widerstehn
Dem Mann, der Buschkowksy heißt, denn sein Gedanke
Wird Tat, und Buschkowsky Wille wird geschehn.

Vor Buschkowsky neigt euch, Fahnen, laßt euch senken!
Es soll ein ewiges Gedenken sein!
Erhebt euch, Fahnen, und weht im Gedenken
An Buschkowsky bis hinüber in den Friedrichshain.

In Buschkowskys Namen wird Neukölln sich einen.
Er ist es, der den Bezirk uns erhält.
So bleibt er unser und wir sind die Seinen,
Und Buschkowsky, Buschkowsky heißt das Glück der Welt.

Die Neuköllner werden sich vor dir erheben,
Genosse Buschkowsky, und zu dir erhebt
Mein Neukölln sich: in unserm neuen Leben
Das Leben Buschkowskys ewig weiterlebt.

Bewerbung als Pressesprecher

Liebe Buşhkowskyjugend,

große Männer, brauchen kleine Hofdichter. Ich habe Euren Aufruf gelesen und würd gern mein kleines Licht auf den großen Bezirksbürgermeister strahlen lassen. Hier mein Gedicht für die Buşhkowskyjugend.
Euer Hotte.

Schwur dem Bürgermeister
Auch die Sonne hoch im Äther
grüßt dich, Vater aller Väter.
Und die Sonne sagt’s den Bäumen,
die den Rathausplatz umsäumen,
und die Ulmen leise rauschen,
unter denen wir DIR lauschen:
Harte Worte, harte Taten,
lass uns nicht mehr lange warten,
lass uns Spüren DEINE Hände,
was DU begannst, bringen wir zu Ende!

Zuschriften Teil I

Lieber R. vom Spreebogen,

grundsätzlich teilen wir ihre Annahme, dass alles Böse von Außen kommt. Tatsächlich haben wir in den letzten Tagen einen unserer Mitstreiter rausgeschmissen, weil er uns seine sächsischen Wurzeln verschwiegen hatte. Sie haben also vollkommen recht: Auch unter uns sind faule Kartoffeln.

Wir geben auch gerne zu, dass wir weit weniger differenziert zu argumentieren, in der Lage sind als Sie. Ihre These, dass kaum jemand von uns Berliner ist und wir gleichzeitig westdeutsche Neu-Berliner sind, zeugt von einem Abschied alten Identitätsdenkens, dass selbst über die gute alte Oma Dialektik hinausweist. Gleichzeitig etwas sein und nicht sein … wir arbeiten daran, das zu verstehen, wenn uns etwas Zeit nach der Lektüre der Buschkowsky-Werke bleibt.

Dass wir mit unserer Ignoranz gegenüber der Bevölkerung, derselben ein Lächeln auf die Lippen zaubern, freut uns hingegen sehr! In diesem Sinne: Sein oder Nichtsein! bzw. im Sinne der Buşkowsky-Jugend: Schwein oder Nicht-Schwein!

Herzliche Grüße an den Spreebogen

Ihre Neu-Nichtberliner aus Neukölln!

R. vom Spreebogen schrieb:

Eure Gedanken und Aktionen sind weder originell, noch sprechen sie für eine differenzierte und kluge Auseinandersetzung mit dem Theme Einwanderung und Integration. Eure Leute wirken gestelzt, irgendwie planlos, schlichtweg peinlich. Außerdem gehe ich jede Wette ein, dass kaum jemand von Euch Berliner und schon gar nicht Neuköllner ist. Spätestens wenn Ihr Kinder habt, werded Ihr wie alle westdeutschen Neu-Berliner alles daran setzen, dass Anna-Lena und Torben nicht auf eine Schule gehen müssen wo sie als Nicht-Moslems in der Minderheit sind. Was mich neben Eurer Doppelmoral und Schlichtheit am allermeisten stört, ist Eure Ignoranz gegenüber der Neuköllner Bevölkerung, auch und vor allem ggü. der Neuköllner Jugend, die Eure peinlichen Aktionen mehrheitlich nur belächelt.

R.