Bewerbung als Pressesprecher II

Liebe Buşhkowskyjugend,

ich habe leider mein Geld gleich am Anfang des Monats versoffen und in Zigaretten investiert. Ich bin auch irgendwie viel zu faul, Euch extra ein neues Gedicht zu schreiben. Neulich hat unser Bürgermeister ja von den Stasimethoden der Buşkow­sky-Jugend gesprochen. Da ich mich mit Stasi und Stalinismus gut auskenne, dachte ich mir, dass ich mal einen Klassiker von mir auf die aktuelle politische Situation umschreibe. … und siehe da, es passt wie das Ei in den Becher. Ick will mich hiermit auf Euren Sprecherposten bewerben. Ich habe jahrelange Erfahrung in der Produktion von Gebrauchslyrik. Also nehmt mich, ich kann es.

Euer Johannes

Danksagung an einen Bezirksbürgermeister

Neigt euch vor ihm in ewigem Gedenken!
Sag auch du Buschkowsky den verdienten Dank.
Er kam, ein neues Leben dir zu schenken,
Als schon dein Bezirk in Chaos versank.

Er kam, aus deiner Not dich zu erretten,
Wo immer neues wächst, gedenke sein.
Hochhäuser ragen über Trümmerstätten
Und ihr Willkommen lädt uns herzlich ein.

Es wird ganz Deutschland einst Buschkowsky danken.
In jeder Stadt steht Kirsten Heisigs Monument.
Dort wird er sein, wo sich die Reben ranken,
Und selbst in Kreuzberg erkennt ihn ein jeder Student.

Dort wird er sein, wo sich von ihm die Fluten
Der Spree erzählen und des Berliner Doms.
Dort wird er sein in allem Schönen, Guten,
In Nordneukölln, an an des Kanales Strom,

Allüberall, wo wir zu denken lernen
Und wo man einen Lehrsatz streng beweist.
Vergleichen wir die Genien mit den Sternen,
So glänzt als hellster der, der Buschkowsky heißt …

Wir sind ihm begegnet im Abendblauen,
Und sind ihm begegnet im Morgenlicht.
In seinen Werken reicht er uns die Hand.
Band reiht an Band sich in den Bezirksbibliotheken,
Und niederblickt sein Bildnis von der Wand.

Auch in Rixdorf ist er zugegen.
Mit Sarrazin und Heisig steht er Stund um Stund,
In Gedanken überprüft er die Senatoren,
Und über einen dunklen Wiesengrund
Blickt in die Weite er, wie traumverloren.

Er geht durch die Betriebe schaut auf die Uhr,
Und auf der Sonnenallee tritt er zu anatolischen Bauern,
Seine Gesichtsfurche – eine Leidensspur.
Und Buschkowsky sagt: „Es wird nicht lang mehr dauern!“

Er spricht bei Bier und Wurstsalat.
Wie brüderlich und schlicht sagt er: „Genossen!“
Ein jedes Wort, das Buschkowsky spricht, ist Tat,
Aus einem Stück sind Wort und Tat gegossen.

Im Körnerpark sucht er auf die Galerie,
Und alle Bilder sich vor ihm verneigen.
Die Farbentöne leuchten schön wie nie
Und tanzen einen bunten Lebensreigen.

Mit Arnold Mengelkoch sitzt er auf der Bank,
Kirsten Heisig setzt sich nieder zu den beiden.
Und eine Ziehharmonika singt Dank,
Da lächeln sie, selbst dankbar und bescheiden.

Die Jugend zeigt euch ihre Meisterschaft
In Sport und Spiel – und ihr verteilt die Preise.
Dann summt ihr mit die Worte „lernt und schafft“,
Wenn sie zum Abschied singt die neue Weise.

Nun lebt er schon und wandert fort in allen
Und seinen Namen trägt der Frühlingswind,
Und in dem Bergsturz ist sein Widerhallen
Und Buschkowskys Namen buchstabiert das Kind.

Wenn sich vor Freude rot die Wangen färben,
Dankt man dir, Buschkowsky, und sagt nichts als: „Du!“
Ein Armer flüstert „Buschkowsky“ noch im Sterben
Und Buschkowskys Hand drückt ihm die Augen zu.

Dort wirst du sitzen mit uns in der Runde
Und teilst mit uns die Speise und den Trank.
Wir heben, grüßend dich, das Glas zum Munde
Und singen dir und sagen Buschkowsky Dank.

Buschkowsky: so heißt ein jedes Sehnen.
Buschkowsky: so heißt des Bezirkes Morgenrot,
Buschkowsky beschwören aller Mütter Tränen:
„Buschkowsky! O ende du die Multikulti-Not.“

Wer je wird angeklagt der klaren Worte wegen,
Aufrecht stehst du in dem mit vor Gericht.
Die Richter aber ihre Hände legen
Vors Auge, denn sie blendet soviel Licht.

Du trittst herein, welch eine warme Helle
Strömt von dir aus und was für eine Kraft
Und der Gefangene singt in seiner Zelle,
Er fühlt als Riese sich in seiner Haft …

Im Wasserfall und in dem Blätterrauschen
Ertönt dein Name, und es zieht dein Schritt
Ganz still dahin. Wir bleiben stehn und lauschen
Und folgen ihm und gehen leise mit.

Du Freund der Neuköllner, du, ihr allerbester,
Was je war rühmenswert, blüht dir zum Ruhm.
Es spielt, den Weltraum füllend, ein Orchester
Das hohe Lied von Buschkowsky Heldentum …

Gedenke, Neukölln, deines Freunds, des besten.
O danke Buschkowsky, keiner war wie er
So tief verwandt dir Rixdorf ist und Rudow
In ihm vereint. Er überquert das Meer,

Und kein Höhe setzt ihm eine Schranke,
Kein Feind ist stark genug, zu widerstehn
Dem Mann, der Buschkowksy heißt, denn sein Gedanke
Wird Tat, und Buschkowsky Wille wird geschehn.

Vor Buschkowsky neigt euch, Fahnen, laßt euch senken!
Es soll ein ewiges Gedenken sein!
Erhebt euch, Fahnen, und weht im Gedenken
An Buschkowsky bis hinüber in den Friedrichshain.

In Buschkowskys Namen wird Neukölln sich einen.
Er ist es, der den Bezirk uns erhält.
So bleibt er unser und wir sind die Seinen,
Und Buschkowsky, Buschkowsky heißt das Glück der Welt.

Die Neuköllner werden sich vor dir erheben,
Genosse Buschkowsky, und zu dir erhebt
Mein Neukölln sich: in unserm neuen Leben
Das Leben Buschkowskys ewig weiterlebt.